George Orwell – Farm der Tiere – Ein weiteres Meisterwerk nach ‚1984‘?

Allgemein, Rezensionen

Hallo zusammen!

Nach einer kurzen Schreibpause melde ich mich auch mal wieder (hoffentlich „in alter Frische“). Und nicht ohne Grund: Denn gerade habe ich „Farm der Tiere“ von George Orwell beendet. ‚1984‘ hatte ich ja erst zur Mitte des Jahres gelesen (Rezension) und hier erfahrt ihr, ob mich sein zweites, bekanntes Werk genauso begeistern konnte, wie es zuvor die Geschichte um den ‚Big Brother‘ getan hat!


“The book for everyone and Everyman, its brightness undimmed after fifty years.” –Ruth Rendell

Auf der Herren-Farm läuft es gut – zumidest für ihren Besitzer Mister Jones. Das wissen auch die Tiere. Die, die dafür arbeiten, dass er von teuerem Porzelan essen kann und die, die für den arbeiten, der ihre Kinder nimmt und verkauft. Tagtäglich schuften sie auf dem Feld, ziehen den Karren über den Hof oder versorgen die Jones-Familie mit ihren Gütern – alles für die Ration Futter am Abend. Doch kurz bevor das älteste Schwein auf dem Hof stirbt, ruft es alle Hoftiere zu einer Versammlung zusammen: Denn es gibt nur noch einen Weg aus der Unterdrückung – Revolution!

Schnell ist Jones vertrieben, die Macht auf die Tiere verteilt und es scheint als wäre ein Wunder geschehen: Die Felder tragen mehr Korn, die Tiere haben freie Tage und man plant sogar weitere Farmen von der Knechtschaft der Menschen zu befreien. Doch nicht alles ist Gold, was glänzt und schnell stellt man Fest: Auch im Paradies lebt eine Schlange, die alles ins Unglück stürzt…

„Krieg ist Krieg. Nur ein toter Mensch ist ein guter Mensch“

-(S.56)


  • Pressebild_Farm-der-TiereDiogenes-Verlag_72dpi.jpgFarm der Tiere ~ Ein Märchen – George Orwell

  • Taschenbuch deluxe , 192 Seiten
  • ISBN-13: 978-3-257-26137-0
  • Diogenes – Verlag
  • Erscheinungsdatum: 26.04.2017
  • [D] 10,00 €*

Normalerweise bin ich eher dafür, die Bücher eines Autoren in chronologischer Reihenfolge zu lesen, aber hier mache ich es irgendwie unbewusst genau andersherum. ‚1984‘ erschien ein Jahr vor Orwells Tod im Jahr 1950 und ‚Animal Farm‘ noch ein Jahr vorher, als Orwell gerade die 42 erreicht hatte. Bis heute sind diese beiden Werke seine bekanntesten Bücher und werden immer noch gefeiert – ob als Schullektüre oder auf hunderten „Books to read until you die“-Listen, immer wieder tauchen seine Geschichten auf dem Buchmarkt auf – und mit einer brennenden Aktualität! Orwell hat insgesamt 10 Bücher geschrieben, doch ‚Animal Farm‘ kann man wohl bis heute als einen der Klassiker des zwanzigsten Jahrunderts herausstellen!

Es geht um eine Farm, die sich aus der Unterdrückung ihres Besitzers befreit und ihre eigene kleine Gesellschaft gründet. Zuerst läuft alles sehr gut, deutlich besser als unter der Herrschaft der Menschen, doch schon nach kurzer Zeit entwickeln sich zwei Lager, die auch bis heute noch jedem bekannt vorkommen: Die protektonistischen Populisten und eine fortschritliche Gruppe, die demokratische Sitzungen einführt und sogar plant eine Windmühle auf der Farm zu bauen. Doch seit Beginn der Revolution hat das konstervative Lager einen weiteren Umsturtz geplant: Die Farm in eine Diktatur zu formen, mit nur noch einem ‚Führer‘. Schnell begreifen die übrigen Farmtiere: Auch Tiere können wie Menschen handeln…

Der Leser wird sofort in das Geschehen geworfen und schon nach wenigen Seiten wirddie Revolution angekündigt. Wie schon bei ‚1984‘ weiß Orwell politische Ansichten und Ideen in eine spannende Geschichte zu verpacken, die erst bei weiterem Nachdenken ihre wirkliche Kraft entblößen. Der Schreibstil ist sehr ähnlich zu der Big-Brother-Dystopie, wenn auch von der Atmosphäre etwas leichter und schnelllebiger. George Orwell schafft es einfach immer wieder, den Leser zu fesseln und zeitgleich in einem unscheinbaren Nebensatz über die ganze Menscheit zu urteilen, sodass es doch schnell deutlich wird, dass dies eine große Metapher ist, oder ein Märchen wie er selbst es sagt. Denn unter dem Deckmantel verschiedener Farmtiere befindet sich eine lupenreine Gesellschaftskritik mit eigenen Ansätzen und teilweise sogar richtigen Revolutionstipps aus Orwells Sicht. Bei ‚1984‘ zog Orwell duchgehend in die sozialistische Richtung, wenn er auch vor ihren Tücken warnte, und so ist es auch hier: Doch anstatt gegen eine große, allumfassende Überwachung zu appelieren, weist er hier ganz deutlich darauf hin, dass auch eine Revolution – so schön sie zu Beginn auch erscheinen mag, eine weitreichende und schnelle Absicherung gegen Intriganten benötigt. Vielmehr zeichnet er durch die Bilder der Tiere detailgetreu verschiedene Menschentypen und ihre Rollen in der Gesellschaft nach, ohne dabei wirklich jemals eine gewisse Position selbst beim Namen zu nennen. Was in beiden Werken auffällt: Die Skepsis gegenüber Authoritäten und der Aufruf, sich selbst jederzeit seine eigenen Gedanken zu machen und nicht einfach stumpfsinnig anderen Idealen zu folgen, genau nach dem Vorbild der Aufklärung.


Farm der Tiere – Ein Werk, das auf dem gleichen Level wie ‚1984‘ rangiert. Ein sehr lesbarer Klassiker, den wir niemals vergessen dürfen, vollgepackt mit Gesellschaftskritik und Aufforderungen, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen! – 4,5/5 Sterne

© Marlon

*Vielen Dank an den Diogenes-Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, unverb. Preisempfehlung

 

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5 Gedanken zu “George Orwell – Farm der Tiere – Ein weiteres Meisterwerk nach ‚1984‘?

  1. Hallo 🙂
    Farm der Tiere ist so ein Buch, das auch schon ewig auf meiner Wunschliste steht. Vielleicht sollte ich es mir wirklich einmal holen und für 2018 auf meine Leseliste setzen 😉
    Deine Rezension klang jedenfalls richtig spannend!
    VG Jennifer

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo 🙂 ,
    erst vor kurzem habe ich „1984“ von George Orwell gelesen und kann Dir nur zustimmen, da es mir wirklich gut gefallen hat. Jetzt, nachdem ich Deine Rezension zu „Farm der Tiere“ gelesen habe, werde ich wohl noch ein Buch auf meine Bücherliste draufsetzen ;). Ich fand bei „1984“ die Art und Weise, wie Orwell seine politischen Ansichten und die Kritik hintergründig eingebracht hat, auch einfach nur beeindruckend, dazu dann noch dieses ganze System mit Neusprech und vor allem Doppeldenk…

    LG, Jo 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Hey!
      Ja, ich kann dir nur zustimmen! Orwell weiß einfach, seine Ideen ganz heimlich in eine spannende Geschichte einzubauen und Entwicklungen der realen Welt in seine Story einzubauen (und sie so zu tarnen, dass jeder sagen würde: „Das ist ja schrecklich“, aber wenn man weiter nachdenkt, wir schon oft bei diesen Dingen angekommen sind) Und das sage ich, der sonst großer Gesellschaftskritik eher kritisch gegenübersteht…

      Viel Spaß mit „Farm der Tiere“, solltest du es demnächst lesen (oder erst in einem Jahr, so wie ich es von meinen eigenen Lesevorhaben kenne :D)
      Grüße, Marlon

      Gefällt mir

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