F. Scott Fitzgerald – Der seltsame Fall des Benjamin Button

Allgemein, Rezensionen

Mit „Der Große Gatsby“ hat sich Francis Scott Fitzgerald in den Olymp der Schriftsteller geschrieben. Es gilt als einer der Klassiker der Weltliteratur und wird von Kritikern genauso wie von der breiten Masse der Leser gefeiert. Dass es noch weitere Bücher und Geschichten von Fitzgerald gibt, wissen jedoch nur wenige und so ist es auch mit „Der seltsame Fall des Benjamin Button“. Obwohl es vor einigen Jahren verfilmt wurde, gibt es viele, die die Geschichte noch nicht gelesen haben. Nachdem ich vor kurzem mal wieder „Der Große Gatsby“ gelesen habe, brauchte ich jedoch auch Neues von Fitzgerald und „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ hat mich sofort angesprochen. Ob es mit dem Weltbestseller mithalten kann? Lest es hier in der Rezension.


In Kürze – Der Klappentext

Benjamin Button ist kein Kind wie alle anderen: Er ist groß, hat einen Bart, und statt im Kindergarten herumzutollen, döst er schon mal ein. Irgendwann begreift seine Familie, dass er rückwärts altert – oder wie imer man das befremdliche Phänomen nennen soll, das Benjamin ständig mit der Welt kollidieren lässt. Keine gute Aussicht für die Liebe, wie seine Frau Holdegarde bald zu spüren bekommt. – Fitzgeralds Erzählung aus dem Jahr 1922 wurde berühmt durch die Kinofassung. ‚Der seltsame Fall des Benjamin Button‘ erzählt auf so skurrile wie anrührende Weise von der Vergänglichkeit des Lebens. (Anaconda-Verlag)

  • Der seltsame Fall des Benjamin ButtonDer seltsame Fall des Benjamin Button – F. Scott Fitzgerald
  • Gebundene Ausgabe
  • 80 Seiten
  • ISBN-13: 978-3-7306-0344-4
  • Anaconda – Verlag
  • Erscheinungsdatum: 31.01.2016
  • Preis: [D] 3,95€*

Als „The Curious Case of Benjamin Button“ am 27. Mai 1922 in der Zeitschrift „Colliers“ erschien, war der damals 25-jährige F.Scott Fitzgerald schon weitgehend bekannt. Sein 1920 veröffentlichter Roman “ This Side of Paradise“ hatte ihn über Nacht berühmt gemacht. Bei Veröffentlichung der Geschichte war Fitzgerald jedoch noch 3 Jahre von „Der Große Gatbsy“ entfernt und – meiner Meinung nach – merkt man das auch ein wenig. Es kann natürlich auch an der Übersetzung legen, die ich doch als relativ „modern“ bezeichnen würde, aber auch generell muss der Leser hier auf viele Dinge verzichten, für die „Der große Gatsby“ so bekannt ist. Der Schreibstil wirkt kürzer, weniger ausschweifen, es gibt viel weniger Beschreibungen, fast gar keine. Es geht mehr darum, die Handlung an sich voranzubringen, als mit romantischen Feinheiten aufzutrumpfen. „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist eine Kurzgeschichte und so verzichtet Fitzgerald zum großen Teil auf Floskeln, die ihm nur unnötig Platz weggenommen und das ganze in die Länge gezogen hätten, um den Fokus eben mehr auf die Handlung zu legen. (Ich habe noch kein früher erschienenes Werk von ihm gelesen und kann deshalb nicht beurteilen, ob es damals sein Stil war oder einfach am Format liegt.) Und doch schleicht sich hin und wieder eine verträumte Beschreibung, wie man sie man aus „Der große Gatbsy“ kennt, ins Geschehen ein.

„Es war ein herrlicher Abend. Der Vollmond tauchte den Weg in platin-matten Glanz und blühende Spätsommerblumen verströmten ihre Düfte in der bewegungslosen Luft wie leichtes, leises Gelächter. Die offene Landschaft, in weitem Umkreis mit leuchtendem Weizen bedeckt, erstrahlte ungetrübt wie bei Tag. Fast war es unmöglich, von der reinen Schönheit des Himmels nicht berührt zu sein – Fast.“ (S.36)

Ich möchte auch noch einmal auf die Übersetzung eingehen, die mir leider nicht sehr gefallen hat. Ich hatte ja bereits angesprochen, dass sie sehr modern ist und auch wenn ich sie nur mit Auszügen anderen Übersetzungen vergleichen kann, habe ich das Gefühl, dass man das Ganze ein wenig besser hätte machen können. Abgesehen davon – oder genau deshalb – ließ es sich sehr schnell lesen und ich war innerhalb von einer halben Stunde durch. Die 80 Seiten haben echt sehr große Seitenabstände und eine große Schrift, sodass man es mit circa 30 „normalen“ Seiten vergleichen kann. Gefallen hat mir, dass der Verlag einen kleinen Anhang am Ende des Buches eingefügt hat, der bestimmte Namen, Orte und Daten erklärt und die zeitliche Einordnungen einfacher macht.

Faszinierend fand ich bei dieser Geschichte, wie Fitzgerald das Ganze durchdacht hat und welche Aspekte er alles beachtet hat, die einem vor dem Lesen des Buches niemals eingefallen wären. Er beschreibt viele verschiedene Dinge, die ein Mensch in seinem Leben durchmacht und achtet dabei immer darauf, dass es sich nicht zieht und Längen entwickelt. Das Ende ist eher ein offenes Ende und trotzdem hat es mir gefallen. Es ist relativ klar, in welche Richtung es geht und doch kann man sich als Leser noch einiges selbst denken, ohne zu wissen, was Fitzgerald sich selbst überlegt hat und ob er die Geschichte überhaupt noch weitergedacht hat.

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„Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist anders wie „Der große Gatsby“. Es ist ein wenig glanzloser, weniger verträumter und natürlich kürzer. Es ist eine schnelle Geschichte, die ohne jegliche Längen auskommt und den Leser schnell durch ein ganzes Leben des berüchtigten Benjamin Button führt.


Eine schöne Geschichte, die man in kurzer Zeit gelesen hat und wieder einmal Fitzgeralds Einfallsreichtum unterstreicht. Selbst heute noch ein sehr lesbarer Klassiker! – 4/5 Sterne

©Marlon

* Vielen Dank an den Anaconda-Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat!

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