John Grisham – Das Original – Bestseller nach Plan

Allgemein, Rezensionen

John Grisham zählt zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller der Welt, seine Bücher wurden in unzählige Sprachen übersetzt und sein Name ist jedem in der Literaturwelt ein Begriff.  Vor einigen Tagen wurde sein neues Buch „Camino Island“ nun auch auf Deutsch veröffentlicht. Aber kann ein Autor nach so vielen Jahren des Schreibens immer noch so großartige Bücher schreiben, wie die, die ihn zum Durchbruch gebracht haben? Lest hier die Rezension zu seiner Neuerscheinung „Das Original“!


In Kürze – Der Klappentext

Ein Coup, der die Buchwelt erschüttert
In einer spektakulären Aktion werden die handgeschriebenen Manuskripte von F. Scott Fitzgerald aus der Bibliothek der Universität Princeton gestohlen. Eine Beute von unschätzbarem Wert. Das FBI übernimmt die Ermittlungen, und binnen weniger Tage kommt es zu ersten Festnahmen. Ein Täter aber bleibt wie vom Erdboden verschluckt und mit ihm die wertvollen Schriften. Doch endlich gibt es eine heiße Spur. Sie führt nach Florida, in die Buchhandlung von Bruce Cable, der seine Hände allerdings in Unschuld wäscht. Und so heuert das Ermittlungsteam eine junge Autorin an, die sich gegen eine großzügige Vergütung in das Leben des Buchhändlers einschleichen soll. Doch die Ermittler haben die Rechnung ohne Bruce Cable gemacht, der überaus findig sein ganz eigenes Spiel mit ihnen treibt. (Heyne)

  • Das OriginalDas Original – John Grisham
  • Gebundene Ausgabe
  • 368 Seiten
  • ISBN-13: 978-3-453-27153-1
  • Heyne – Verlag
  • Erscheinungsdatum: 21.08.2017
  • Preis: [D] 19,99€*

Natürlich war mir John Grisham auch schon ein Begriff, aber gelesen habe ich bis jetzt erst ein Buch von ihm. „Die Bruderschaft“ hatte mir damals mittelmäßig gefallen und als ich gesehen habe, dass der Heyne-Verlag diesen Monat ein neues Buch von ihm veröffentlicht, wollte ich ihm noch eine zweite Chance geben. Die Story hat mich echt angesprochen und der Buch-Trailer (der wahrscheinlich vom amerikanischen Verlag übernommen wurde) hat mich dann komplett überzeugt. Das Ganze klang spannend, interessant und hatte viel Potential. Also habe ich angefangen, zu lesen….

Ich möchte diesmal  mit einem positiven Punkt beginnen. Grisham schafft es eine interessante Welt um viele Charaktere und ein besonderes Thema zu schmieden und dabei gut die Atmosphäre einer Insel voller Autoren einzufangen und scheint zumindest oberflächlich genug recherchiert zu haben, damit er dieses doch eher ungewohnte Thema dem Leser näher bringen kann und dabei glaubhaft rüberkommt.

Doch da war es leider auch schon mit dem Positiven vorbei. Mir kam der Plot einfach zu perfekt vor. Der Coup der Gangster verläuft natürlich perfekt, ohne Zwischenfälle, der Buchhändler, dem die Manuskripte angeboten werden sollen, ist natürlich begeisterter Sammler von Erstausgaben amerikanischer Autoren der 1920ger, hat auch kein Problem mit dubiosen Geschäften und ist ganz nebenbei Betreiber der bestlaufendsten Buchhandlung Amerikas, in der selbst Stephen King neun Stunden lang Bücher für Fans signiert, derweil 2.200 Ausgaben verkauft und dem Buchladen einen Umsatz von 75.000 Dollar allein an diesem Tag ermöglicht. Und natürlich gibt es genau diese eine wunderschöne Autorin, deren Tante ein Haus in der Nähe des Buchladens hat. Sie versinkt zwar in Geldnöten, könnte aber mit dem Gehalt aus der Geheim-Mission alle ihre Schulden tilgen – Im Ernst? Das ganze Buch ist so „perfekt“, es passieren so viele glückliche Zufälle, alles ist natürlich immer das Beste vom Besten und nie passiert auch nur ein Fehler oder eine Sache, die nicht mindestens einem der Charaktere in die Karten spielt. Das kling vielleicht dumm und man könnte sagen, dass jeder Krimi so funktioniert, aber das hier war einfach zu viel – Nie macht irgendeiner einen Fehltritt, nie stehen die Ermittler in der Sackgasse. Dazu kommt, dass die Charaktere einfach nur flach sind. Grisham versucht zwar hin und wieder mit den klassichen „Dunkle Vergangenheit“- und „Schwarzes Schaf der Familie“-Motiven dem Ganzen Tiefe zu geben und alles dreidimensionaler erscheinen zu lassen, aber auch das gelingt ihm mehr schlecht als recht. John Grisham erzählt immer wieder, dass er sich beim Schreiben nicht von seinen Figuren ins Ungewisse leiten lässt, sondern von Anfang an einen Plan hat, den er abarbeitet. Und so hat sich das auch für mich angefühlt: Es wirkt, als würde er sich an vorgeplanten Ereignissen und Szenen entlanghangeln und einfach nur dem Plot folgen, ohne noch groß zu improvisieren und sich übberaschen zu lassen.

Komisch fand ich auch den Genre-Mix den Grisham hier verfolgt. Das Buch hat einen leichten Comedy-Einschlag, den er ab und zu einschlägt, wenn er zum Beispiel Szenen beschreibt, in denen ein lesbisches Autorenpaar auftritt, die ihre eigenen Bücher hassen, trotzdem Tausende davon verkaufen, von denen die eine nicht aufhören kann, über alles und jeden auf der Insel zu lästern und die andere nicht mehr hervorbringt, als Ermahnungen, ihre Partnerin solle sich zurückhalten. Gleichzeitig mischt sich ab Mitte des Buches ein großer Romantik-Anteil ein, der sich super zu einem Drama verarbeiten lassen würde, aber in diesem Ausmaß einfach nicht in einen Krimi passt.

Zu dem Ende lässt sich auch nicht viel sagen… Es war komplett vorhersehbar und es wäre auch zu diesem Schluss gekommen, hätte sich unsere wunderbare Geheimagentin/Autorin (die mehr im Bikini am Strand sitzt, als ein Wort zu Papier zu bringen) nicht eingemischt. Eigentlich hat sie nichts beeinflusst und nichts bewirkt. Wäre sie nicht da gewesen, wäre es aufs gleiche hinausgelaufen, vielleicht später, aber genauso. Grisham hätte sich getrost 200 Seiten sparen können, aber dann wäre es ja kein Roman mehr gewesen, sondern einfach nur noch ein langer Zeitungsartikel mit Happy End.

Ich muss den Verlag aber für die Aufmachung loben. Das Cover gefällt mir eigentlich ganz gut, aber was ich eigentlich meine ist das Material in dem das Buch unter dem Schutzumschlag eingeschlagen ist. Es hat die Struktur von einem fein gewebten Stoff, der dem Buch eine ganz eigene Haptik gibt und es sehr gut in der Hand liegen lässt. Ein Plus für den Verlag!

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Trotzdem muss ich zugeben, dass es mich zumindest zu einem gewissen Teil unterhalten hat. Und das ist auch das, was Grisham schreiben will: Unterhaltungsliteratur. Dass das Ganze einfach nur noch austauschbar und kunstlos ist, lässt sich über so viele Jahrzehnte des Schreibens in denen teilweise zwei Bücher pro Jahr erscheinen, wahrscheinlich nicht mehr so ganz verhindern. Vielleicht wird das nächste Buch von Grisham wieder besser, aber ich habe kein Interesse mehr an seinen Neuerscheinungen.


Auch mein zweiter Versuch mit Grisham ist leider nicht so erfolgreich verlaufen. Billig, Flach, Austauschbar, Vorhersehbar. Für mich ein Reinfall. Leider eine Enttäuschung. – 2/5 Sterne

©Marlon

* Vielen Dank trotzdem an den Heyne-Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat!

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3 Gedanken zu “John Grisham – Das Original – Bestseller nach Plan

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