Charles Baudelaire – Wein und Haschisch

Allgemein, Rezensionen

„Samtbezogene, mit Folienprägung veredelte Vorzugsausgabe der Manesse Bibliothek der Weltliteratur“ – Wenn man da als Bücherfan nicht sofort weiterliest, dann weiß ich auch nicht mehr! Ich meine Samt? Goldprägung? Weltliteratur? – Aber kann der Inhalt mit der Aufmachung wirklich mithalten oder ist es einfach nur gut verpackt?

Zum 150. Todestag am 31. August 2017 – Wer Charles Baudelaire ausschließlich als Verfasser der dunkel-brillanten Gedichte aus «Die Blumen des Bösen» kennt, lässt sich ein wahres Lesevergnügen entgehen. In seinen geist- und pointenreichen Essays vergleicht Baudelaire die unterschiedlichen – und nicht gleichermaßen empfehlenswerten – Wirkungen von Wein und Haschisch, gibt jungen Schriftstellerkollegen Tipps zum Umgang mit Gläubigern, schildert seine Begeisterung nach der ersten Aufführung einer Wagner-Oper in Paris oder erteilt Ratschläge, wie man das Glück in der Liebe finden kann. In dieser exklusiven Zusammenstellung in Neuübersetzung begegnet uns der feinsinnige Ästhet als ironischer Lebenskünstler, als hellsichtiger Literaturkritiker und als wortmächtiger Protagonist der Pariser Boheme. Gebunden in dunkelroten Samt mit Glanzfolienprägung, ist der Band zudem ein bibliophiler Hingucker. (Klappentext – Manesse)

  • Wein und HaschischWein und Haschisch – Charles Baudelaire
  • Gebundene Ausgabe
  • 224 Seiten
  • ISBN-13: 978-3-7175-2430-4
  • Manesse – Verlag
  • 13.06.2017
  • [D] 22,95 €*

Für mich war Charles Baudelaire ein Autor, vom dem ich zwar schon mal gehört, den ich aber nie wirklich näher in Betracht gezogen habe. Als ich aber gesehen habe, dass der Manesse-Verlag im Juni eine Sammlung von Essays herausgebringt, wollte ich die Chance nutzen und doch mal ein paar Texte von ihm lesen. Der Klappentext auf dem Buch selbst (der kürzer ist als der, den ich hier eingefügt habe) hat mich dann nochmal richtig angespornt: Er verspricht, dass die Drogen zwar auch im Buch vorkommen, aber eher im Hintergrund stehen und der Musik und der Literatur den Vortritt lassen – Worüber ich auch sehr froh war; ich muss mir keine Gebrauchsanweisung zum Drogengebrauch durchlesen…

Und als ich dann dieses kleine Büchlein – denn das ist es, nur 15,5 cm hoch und 9,5cm in der Breite – begonnen habe, hat es mir auch sofort zugesagt. Der Autor beginnt mit einer kurzen Einleitung, die nochmal zusammenfasst, wieso er das Buch überhaupt schreibt und schon direkt sein Können präsentiert. Seine Maximen, wie er sie nennt – Lebensregeln – sind philosophisch und doch immer mit einem Beispiel belegt, immer darauf bedacht theoretisch und praktisch anwendbar zu sein und doch nicht als Ratgeber zu wirken. Er schreibt zuerst über Themen wie Liebe, gibt Erfolgstipps für Autoren, den großen Roman und Künstler. Was zuerst relativ austauschbar erscheint, ist irgendwie anders, als ich es kannte: Er nennt Frauen „Göttinen“, sagt den Dummen bliebe die Hässlichkeit erspart, während Schlaue mit der Zeit immer mehr Blessuren davontragen müssen, sagt dass Liebe Verachtung nicht ausschließt, rät uns zur Liebe und rät ab von Schulden. Alles relativ kontroverse Ansätze, die er jedoch so belegt, dass man merkt, dass er auch immer mit einer Spur Humor und Spott schreibt.

Seine Tipps fürs Leben richtet er an Künstler, Philosophen, Unternehmer und doch auch an alle normalen Leser. Wie nebenbei schreibt er über Liebe und Hass, Glück und Pech, Erfolg und Verlust, Vernunft und Sinnlosigkeit – selbst vor der Ernährung macht er nicht halt. Und das alles auf so wenig Seiten! Gerade mal 180 Seiten (der Rest des Buches besteht aus dem Anhang und dem Nachwort. Der Anhang gibt wie immer Informationen über Intertextualitäten und erklärt Anspielungen auf andere Literatur, Personen oder Sprichwörter, die für Leser beim Ersterscheinungstermin deutlich waren, heute aber nicht mehr geläufig sind.) Das Buch versammelt Essays aus den Jahren 1846 bis 1861 und hat daraus ein rundes Konzept geschafft, bei dem ich mich wirklich wunderte, als ich herausfand, dass die Texte bei Ersterscheinen nicht zusammenhängend waren und über so viele Jahre hinweg einzeln geschrieben wurden.

Tiefe Freuden des Weins, wer hat eich nicht gekannt? Jeder, der jemals Gewissensbisse beschwichtigen, eine Erinnerung heraufbeschwören, einen Kummer ertränken, ein Luftschloss errichten wollte – kurzum, alle haben dich angerufen, geheimnisvoller Gott, verborgen in den Fibern des Rebstocks. (S.37)

Doch nachdem er diese eher „normalen“ Themen abgearbeitet hatte, kamen die letzten beiden Kapitel – in denen der Teil der Literatur und Musik zum Großteil thematisiert wird. In dem ersten der beiden Kapitel entschlüsselt Budelaire das Werke eines anderen Autoren, Flauberts Madame Bovary. Dieser Teil war für mich wirklich nichts – ich konnte nur in Stücken nachvollziehen, worüber er da schreibt und was er eigentlich ausdrücken will. Es wurde sehr theoretisch und die vorherige Essenz des „Ratgebens“ konnte dabei natürlich nicht mehr eingebracht werden. Ich muss aber auch sagen, dass ich „Madame Bovary“ nicht gelesen habe, und vielleicht mehr verstanden hätte, wenn mir die Geschichte bekannter gewesen wäre. Danach kam etwas, was mich noch weniger begeistern konnte. Es ging um Wagners „Tannenhäuser“, eine Oper die ich auch nur vom Hören kannte und auch noch nicht selbst gesehen und gehört habe. Darum wurde eine undurchsichtige Geschichte gesponnen, die ich nicht wirklich nachvollziehen konnte und – um ehrlich zu sein – auch irgendwann nur noch quergelesen habe…

Der Schreibstil hat mir wirklich gefallen und ich habe das Gefühl, dass er auf viele Leser wie der Inbegriff des „alten“ und klassischen Schreibstils großer Werke vergangener Zeiten wirken muss. Baudelaire schreibt ausschweifend mit vielen Worten und doch ist kein Wort zu viel oder gar zu wenig, es wirkt als hätte er jedes einzelne Wort genau abgewogen und doch alles schnell aufgeschrieben, ohne wochenlang an einem Text allein gearbeitet zu haben.

Alles in allem muss ich aber auch sagen, dass es mich relativ unbeeindruckt zurückgelassen hat. Damit meine ich, dass es mich nicht wirklich beeinflusst hat und ich einzig mitgenommen habe, dass man in der Literarur auch mal das schreiben soll, was keiner liest und wenn alle Wein trinken, soll man auch Wein trinken. Ein großes Lob muss ich aber an den Verlag für die Aufmachung aussprechen – das Samt hat einen tollen dunklen Farbton, wirkt sehr hochwertig und auch die Prägung in einem Bronze-/ Rosèton, kommt super raus und rundet die Erscheinung zusammen mit dem farblich abgestimmten Lesebändchen perfekt ab. Als einziges habe ich vielleicht zu bemängeln, dass es doch sehr klein ist. Hätte es die Größe eines Taschenbuches oder eines richtigen Hardcovers wäre es wahrscheinlich aber viel zu teuer geworden.


Für mich ein Buch, dass zu Beginn viel richtig macht, mich aber mit den letzten beiden Kapiteln sehr enttäuscht hat. Dafür hat es aber einen bemerkenswerten Schreibstil und eine besonders schöne Aufmachung! – 3/5 Sterne

©Marlon

* Vielen Dank an den Manesse-Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat!

 

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