Der Letzte macht den Mund zu – Michael Buchinger – Die YouTube-Sensation endlich als Buch!

Allgemein, Rezensionen

Michael Buchinger – Ein Name, der bei der trendigen YouTube-Community sofort ein Schmunzeln auslöst. Und im nächsten Augenblick – HASS. Denn das ist sein Thema; das ist worüber er am liebsten redet. Spätestens seit er 2015 mit dem Webvideopreis ausgezeichnet wurde, steht fest: Hass verbindet – solange er nur von Kleinigkeiten handelt. Und endlich gibt es jemanden, der seinem Ärger laut Luft macht – und auch noch so lustig!

Seit Freitag sind seine Meckertiraden nun auch als Buch erhältlich. Doch taugt dieses Format in Textform wirklich oder sollte er doch lieber bei den Videos bleiben?


Das YouTube-Star Michael Buchinger erklärt böse und charmant, mit einer ordentlichen Prise österreichischen Humors, warum die Menschheit völlig verrückt ist und er seine Artgenossen nicht leiden kann. Buchinger zieht fabelhaft plaudernd über Gesundheitsfanatiker und Bio-Nazis her, versteht nicht, warum jedes Jahr wieder Geburtstag gefeiert werden muss und verabscheut den Selfie-Wahn seiner Generation. Hier kriegt jeder sein Fett weg! (Klappentext – Ullstein)

  • Der letzte macht den Mund zu – Michael Buchinger
  • Taschenbuch
  • 240 Seiten
  • ISBN-13: 9783548376783
  • Ullstein-Verlag
  • 14.07.2017
  • [D] 9,99 €*

„Der Letzte macht den Mund zu” ist zwar Buchigers Debut auf dem Buchmarkt, aber ein Neuling ist er schon lange nicht mehr – Neben seinem Blog schreibt er für „Vice“, „Miss“ und „Die Welt“. Und das Training hat sich ausgezahlt: Seine Texte sind so, dass man sie sofort auf der nächsten Seite eines Magazins abdrucken oder in einem YouTube-Video vorlesen könnte. Die Struktur, der Aufbau, der Schreibstil, wie er die Pointen setzt: Alles wirkt rund und gekonnt. Die Dialoge und Beschreibungen einiger schiefgelaufener Treffen mit schrulligen Freundinnen in Cafés sind so auf den Punkt, dass sie schon fast als Vorlage für  eine gute Sitcom dienen könnten.

Schon 2015 gewann er mit „Michaelss Hassliste“ den Webvideopreis in der Kategorie „Lifestyle“ und darum geht es auch hier! Festivals, Snapchat, Gruppenchats – alles Dinge, die im Trend liegen. Jeder liebt sie – nur einer nicht: Michael Buchinger. Erfrischend und ohne, dass man sich als Leser fragen stellt wie: „Muss das sein?“ oder „Muss der auch noch seine Meinung dazu sagen?“, schildert er kuriose Erlebnisse aus seinem Leben – Ereignisse, die man auch nur als Michael Buchinger durchmacht. Egal, worum es geht : Von Buffets über Trinkspiele bis hin zum Sommer – hier ist für jeden was dabei und zu Allem hat er eine Meinung; in den meisten Fällen ist es: Hass. Das Buch vereint kurze, ungefähr 10-Seitige Essays, die immer eigenständig sind und doch immer ein wenig aufeinander aufbauen. Jeder dieser Essays schließt mit „Buchingers goldenen Regeln“, kurze Ratschläge, die nochmal die Hauptpunkte der Texte zusammenfassen (immer darauf bedacht, unterhaltsam und ernsthaft zugleich zu sein). Dabei ist es eher ein Meckern auf hohem Niveau, als inhaltsloser, abgrundtiefer Hass von der Sorte: „Buffets sind das Ende der Welt und für alle Krankheiten verantwortlich; wir müssen sie sofort verbieten, wer an ihnen teilnimmt ist ein Verräter!“. Immer hat er seine Gründe und Argumente, die er plausibel mit Anekdoten von desaströsen Veganer-Partys und infernoartigen Dates belegt. Aber auch über andere, ernste Themen schreibt er: Geschlechterrollen, Depressionen im Kindesalter, der Alltag eines Youtubers und sein legendäres „Ich-sage-eine-Woche-lang-JA!“-Experiment (nach dem er übrigens im Krankenhaus landete). Abgerundet wird das ganze hin und wieder noch durch Listen wie: „Social Media Warnsignale – Vor diesen Facebook-Freunden, Twitter-Typen und Instagram-Irren solltet ihr euch in Acht nehmen.“

Das einzige, was mich hin und wieder gestört hat, waren die vielen Vergleiche nach dem Motto: „Ich renne wie ein D-Zug“ (natürlich auf sehr viel höherem Niveau, aber trotzdem…) Das ist jedoch eben auch ein Teil des ansonsten sehr flüssigen und angenehmen Schreibstils. Oft machen diese Vergleiche jedoch auch den Humor aus und waren für so einige Schmunzler bei mir verantwortlich. Auch die Aufmachung gefällt mir nur mittelmäßig – der Titel erschließt sich mir selbst nach dem Lesen nicht, den „Aufkleber“ auf dem Cover finde ich komisch und als Foto von Michael Buchinger hätte ich mir auch eher ein klassisches Frontal gewünscht. Aber natürlich geht es in erster Linie um den Inhalt.

 


Einen wirklichen Unterschied zwischen seinen Texten und Videos, wie „Michaels Hassliste“ oder „#extrahass“ gibt es nicht – beide sind genauso lustig, genauso triefend sarkastisch, immer offen und authentisch. Das einzige, was der Leser missen muss, ist natürlich die Stimme, mit der Michael Buchinger sonst seinem Ärger Luft macht und den Geschichten noch einmal eine extra Portion Überzeugung gibt. Davon abgesehen, ist das Buch jedoch eine sehr runde Sache, das sich manchmal sogar mit Texten von Comedians wie Ellen Degeneres vergleichen lässt. (Übrigen, es gibt auch Dinge, die Michael mag – Die SpiceGirls, Wein, Kuchen und Dörrpflaumen)

Michael Buchinger empfindet sich zwar selbst „in etwa so spannend wie eine Moorwanderung“, aber seine Texte können sich wirklich sehen lassen! Für jeden Hardcore-Fan, aber auch für Neulinge ein schnelles, erfrischendes Buch: immer lustig, immer authentisch, mit viel Sarkasmus, (Selbst-)Ironie und natürlich: Einer großen Portion Hass! – 4/5 Sternen

Hier findet ihr übrigens noch zwei Links zu Videos von Michael Buchinger über das Buch:

©Marlon

* Vielen Dank an den Ullstein-Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat!

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