F. Scott Fitzgerald – Der große Gatsby

Allgemein, Rezensionen

Ein Klassiker

„Der große Gatsby“ – ein Titel, der bei Leuten sofort Bilder an rauschende Feste, goldene Autos und helle Anzüge weckt – egal, ob sie nur den Film gesehen oder auch das Buch gelesen haben. Ich habe das Buch zwar auch schon vor zwei Jahren gelesen, aber ich glaube, dass ich damals dem Buch noch nicht genug Respekt entgegengebracht habe und auch einfach nicht wirklich wusste, was ich da vor mir hatte. Deshalb wollte ich das Buch auch noch einmal lesen – in der Hoffnung, dass ich diesmal der Geschichte besser folgen kann und auch mehr zu schätzen weiß, was Fitzgerald da geschrieben hat.


Junges Geld

Im Jahr 1922 reist der angehende Börsenmakler Nick Carraway aus dem Westen Amerikas in die Nähe von New York City, um seinen Geschäften an der Wall Street auf die Sprünge zu helfen. Ein Haus findet er in einer Bucht auf Long Island. So klein und unscheinbar dieses Haus auch sein mag, umso größer sind die Villen, die sein Grundstück umgeben. Doch das Haus, dass alle anderen überragt, ist das Anwesen des geheimnisvollen Jay Gatsby – ein Emporkömmling mit jungem Geld, von dem keiner etwas genaueres weiß und trotzdem alle der Meinung sind, als einziger seine wahre Herkunftsgeschichte zu kennen . Jedes Wochenende treffen hunderte Leute in ihren glänzenden Wagen vor seinem Haus ein und feiern rauschenden Feste, auf Kosten des Gastgebers. Bald schon wird auch Nick eingeladen und lernt Gatsby besser kennen, wird sogar zum Freund. Doch schnell stellt er fest, dass unter der glänzenden Fassade einige sehr tief vergrabene und sehr traurige Geheimnisse lauern.


Liebesgeschichte  der 20ger Jahre

Ich bin an das Buch ohne wirkliche Ahnung gegangen, worum es geht. Und auch, obwohl ich das Buch schon einmal gelesen habe, habe ich ohne wirkliche Idee angefangen zu lesen. Ich wusste nur noch grob in welche Richtung das ganze geht.

Als ich noch jünger und verwundbarer war, gab mein Vater mir einen Rat, der mir seither nicht aus dem Kopf geht. >>Wann immer du glaubst, jemanden kritisieren zu müssen<<, sagte er zu mir, >>denk daran, dass unter all den Menschen auf dieser Welt niemand solche Vorzügen genossen hat, wie du.<<

In der Geschichte geht es um eine scheinbar verlorene Liebe und Gatsbys Versuch, diese wieder zu gewinnen – so viel sei verraten. Was sich zwar aus heutiger Sich anhört, wie ein YoungAdult-Roman, bei dem der große Millionär alles nur aufgebaut hat, um seiner Jugendliebe zu imponieren, ist anscheinend seit jeher ein beliebter Plot. Die Liebesgeschichte schwebt zwar immer über allem, beginnt aber erst so ab der Mitte und wird ab da auch immer mal wieder von anderen Szenen unterbrochen.  Mir hat die erste Hälfte des Buches aber auch irgendwie besser gefallen. Dort war es irgendwie belebter und noch nicht so drückend und es wurde auch noch nicht alles so in die Länge gezogen. Man konnte förmlich spüren, wie die Leute mit Champagnerschalen in der Hand unseren Protagonisten umringen und zur Musik tanzen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass Gatsby Nick noch gar nichts von seinem Geheimnis verraten hat und Nick somit auch alles noch mit anderen Augen sieht. Bei den späteren Kapiteln war es dann irgendwie so, als wäre man mehr abwesend und als hätte sich ein Schleier zwischen den Leser und die Geschichte gelegt. Der Protagonist – Nick Carraway – fungiert in diesem Buch auch eher als Beobachter, anstatt als wirklich handelnde und eingreifende Person. Er ist irgendwie immer neutral und trotzdem hin- und hergerissen zwischen den Fronten. Sehr gefallen hat mir auch, wie Fitzgerald es angestellt hat, dass man den unschlüssigen Wechsel von Vergötterung und Abscheu, den Nick für Gatsby empfindet, wirklich mitfühlt.

Ich würde nicht sagen, dass das Buch spannend ist, aber durch die ersten 100 Seiten bin ich wirklich geflogen. Danach wurde es, wie gesagt leider schwächer. Trotzdem hat das Buch aber auch Stellen und Szenen, die die Geschichte ausschmücken und neue Geheimnisse und Informationen über Gatsby und sein Leben hervorbringen oder auch einfach nur einen neuen Aspekt zu der Geschichte hinzufügen. Unbezweifelbar ist aber wohl der Schreibstil von Fitzgerald und wie stark er damit die Atmosphäre der verschiedenen Orte und Nicks Gefühlswelt darstellt.

Die erste Hälfte des Buches gefiel mir sehr gut, nach 100 Seiten ließ es leider nach. Dafür ist der Schreibstil aber echt toll und auch die Idee an sich gefällt mir. Ich denke, dass es nicht das letzte Mal war, dass ich dieses Buch lesen werde und es hat mir auf jeden Fall Lust auf mehr von Fitzgerald gemacht. – 3/5 Sterne

©Marlon

(Ich stelle gerade fest, dass die Rezension dieses Mal irgendwie etwas „gebildeter“ klingt als sonst und auch  schreibe ich irgendwie anders und baue die Sätze anders auf… Ist das der gute Einfluss eines Klassikers?😂 War es anstrengend, die Rezension zu lesen?)

Der Große Gatsby  I   F. Scott Fitzgerald   I    Anaconda Verlag   I    Hardcover 978-3-86647-613-4    I   220 Seiten   I    Deutsch   I    28.02.2011    I    3,95 €

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2 Gedanken zu “F. Scott Fitzgerald – Der große Gatsby

  1. Ave,
    ich schiebe mich momentan auch zum zweiten Mal durch The Great Gatsby – allerdings wegen des Abiturs. Das Buch zählt nicht zu meinen Lieblingslektüren, wenn ich ehrlich bin. Möglicherweise liegt es daran, dass ich diese ganze Verschwendungs- und Partykultur der Roaring Twenties so gar nicht leiden kann.
    Anstrengend war deine Rezension aber keineswegs, da kann ich dich beruhigen. 🙂

    Liebe Grüße
    Seitenfetzer

    Gefällt 1 Person

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