Austin Wright – Tony & Susan

Allgemein

Nachtaktiv

Vor kurzer Zeit ist der Film „Nocturnal Animals“ in die Kinos gekommen und als ich gesehen habe, dass es dazu auch eine Romanvorlage gibt, musste ich diese direkt lesen. Meistens sind Bücher, die verfilmt werden, echt gut und spannend – ansonsten würde der Stoff ja auch nicht für die Leinwand reichen. Ob ich den Film nach diesem Buch noch sehen möchte?

Ein Buch im Buch – Inhalt

20 Jahre nachdem Susan sich von ihrem Mann Edward getrennt hat, erreicht sie plötzlich ein Paket von ihm. Beide leben heute mit einem neuen Partner zusammen und gehen ihre eigenen Wege. Edward wollte schon immer Autor werden, hat es aber nach einigen Versuchen und damit einhergehenden Depressionen aufgeben. Umso mehr überrascht es sie, als sie in dem Paket ein Manuskript findet – „Nocturnal Animals“. Ein Thriller über Tony Hastings, der mit seiner Familie in ihrem Auto von der Landstraße gedrängt wird. Tonys Frau und Tochter werden von ihm getrennt, später findet man ihre Leichen. Zuerst sträubt Susan sich davor, das Buch zu lesen, doch nach Monaten und durch ein nahendes Treffen mit Edward in ein paar Wochen angespornt, beginnt sie dann doch und wird sofort in den Bann des Buches gezogen. Edward hat gelernt zu schreiben, hat es gelernt den Leser zu fesseln und Atmosphäre entstehen zu lassen. Unaufhaltsam liest sie weiter, doch je weiter Susan liest, desto mehr bedrückt sie diese Atmosphäre und desto erschreckender und brutaler entwickelt sich das Buch. Und das schlimmste: All diese Dinge entstammen einem Mann, dem sie vor einiger Zeit schlimmes angetan hat…

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>> Nun, falls Edward vorhat, Susans Glauben an ihr Leben zu erschüttern, durch Tony oder auf sonst eine Art – sie wird sich wehren. Sie wird sich ganz einfach wehren. Es gibt Dinge im Leben, gegen die kommt ein bloßes Buch nicht an. << (S.275)

Reif für die Leinwand? – Meine Meinung

Für mich fing das Buch sehr gut an. Die Einleitung schön kurz und dann sofort Edwards spannender Thriller. Man fliegt durchs Buch, der Schreibstil mal etwas anders, leicht ausschweifend, fast literarisch wertvoll. Die kleinen Einschübe von Susan, in denen beschrieben wird, wie sie liest und was sie empfindet, ihre abstoßenden Gefühle für den Freund ihres Sohnes oder die Sorge um ihre Tochter, bringen Abwechslung und Ablenkung in die Geschichte – Die Erlebnisse von Tony und seiner Familie bis zum Zerreißen spannend.

Doch dann ging es plötzlich rasend bergab. Tony wird im Wald ausgesetzt, man findet die Leichen seiner Tochter und seiner Frau und damit beginnt ein selbstmitleidiges Hin und Her zwischen Ermittlungen und seinen Problemen, alleine leben zu müssen. Auch Susans Abschnitte sind wenig berauschend, langweiliges Leben, komische Träume und die anhaltenden Befürchtungen, dass Arnold – ihr neuer Ehemann – sie wieder einmal betrügt. Durch Foreshadowing, wie „Das Buch würde ihr noch das Fürchten lernen“, hatte ich aber immer noch Hoffnung, dass es sich doch noch wieder fängt und spannend wird. Fragen wie: „Wieso schickt Edward ihr das Buch?“, „Will er mit ihr abrechnen?“, „Wieso haben sie sich überhaupt getrennt?“ konnten mich bei der Stange halten und ließen mich weiterlesen. Ohne zu spoilern kann ich sagen, dass die Fragen alle unnötig sind und keine auf besondere oder spannende Weise beantwortet wird. Der Schreibstil hat mich, je länger ich gelesen habe auch nur noch genervt – seitenlange Ausschweifungen über die Gedankenwelten der Charaktere, Susans extrem eintöniges Leben und nicht zuletzt Tonys Depressionen – dem ganzen fehlt einfach die Spannung. Gestört hat mich auch die sehr veraltete Übersetzung, die z.B. noch „gruslig und grade“ anstatt „gruselig und gerade“ schreibt und mit Formulierungen wie „unfroh“ aufwartet. Das ganze Buch läuft auf ein Treffen mit Edward zu, bei dem ich den großen Knall erwartete, aber (SPOILER!) es findet einfach nicht statt. (SPOILER ENDE!) Wie kann man die Geschichte an so einem Punkt aufhängen und dann einfach fallen lassen?! Für mich wirkt es so, als hätte der Autor die Kriminalgeschichte geschrieben, gemerkt, wie kurz und fahl diese ist und deshalb noch sein „literarisches Expriment“, wie es der Spiegel nennt, drumherum gesponnen.

Für mich ganz klar ein Buch, dass man nicht lesen sollte. Ich habe eine tolle Geschichte erwartet, in der Dinge im Buch passieren, die gefährlich nah an Susans Leben kommen und plötzlich eine bedrohliche Wendung nehmen, und wurde mit einer zähen Lebenskrise gleich zweier Protagonisten enttäuscht. Auch der Thriller im Buch hat mir nicht gefallen, da er mir einfach zu langwierig und -weilig war. Leider ein ganz klarer Reinfall. Komischerweise interessiert mich der Film aber irgendwie trotzdem, da ich gerne wüsste, wie man den Buch-im-Buch-Faktor umgesetzt hat.

2/5 Sterne

© Marlon

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Infos zur Ausgabe:

  • btb Verlag
  • Taschenbuch – 416 Seiten
  • 978-3-442-74704-7
  • 10.02.2014

Vielen Dank an den btb-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares

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