Yann Martel – Life of Pi / Schiffbruch mit Tiger

Allgemein, Rezensionen

Ein neues Gesicht

Hallo an euch da draußen!

Um es kurz zu machen: Ich mache diesen Monat einen Probemonat bei den „Buchbloggern“. Ich bin Marlon, 15 Jahre alt und soweit ich weiss, der erste Junge, der auf diesem Blog etwas postet. Für mich sind Bücher – sowie für alle auf diesem Blog – zu einem großen Teil meines Lebens geworden und ich finde an Blogs toll, dass man sich einfach mit anderen Lesern über das gelesene austauschen kann; und dies auch noch auf einer ganz anderen Ebene, als z. B. bei Lovelybooks. Am meisten lese ich Thriller & Horror, aber auch Romane, Jugendbücher, Biographien und Sci-Fi findet man auf meinem SuB. Richtig angefangen zu lesen habe ich vor drei Jahren, wobei es mir damals noch wichtig war, dass die Bücher nicht zu dick waren 🙂 (Heute schrecken mich Bücher mit nur 180 Seiten mehr ab, als mit 800 Seiten.) Neben dem Lesen spiele ich Klavier, treffe mich mit Freunden und gehe natürlich noch zur Schule. Außerdem liebe ich Filme und Serien 🙂

Ich hoffe meine Rezension zu „Life of Pi“ wird euch gefallen und es würde mich freuen, wenn ihr mir ein wenig Feedback dalasst. Vielleicht kann ich ja demnächst öfter schreiben. 😉

2017 – Neues Jahr, neue Vorsätze

31. Dezember: Jahreswechsel. Wie jedes Jahr beginnt die Zeit der guten Vorsätze und damit das Problem, diese auch einzuhalten. Einer meiner Vorsätze für 2017 war, endlich mal Bücher im Original, also auf Englisch zu lesen. Anders, als andere Dinge, die ich mir in den letzten Jahren vorgenommen hatte, habe ich mit diesem Vorhaben sofort begonnen und als Erstes in 2017 zu einem englischen Buch aus meinem Bücherregal gegriffen: Life of Pi von Yann Martel. Es ist zwar nicht das erste Buch von ihm, jedoch hat es ihn zu seinem Durchbruch gebracht und wurde 2012 von einem oscarprämierten Regisseur verfilmt – so schlecht kann es also nicht sein.

Was sind eure Vorsätze für 2017? Lest ihr Bücher auf Englisch? Und habt ihr das Buch schon gelesen: Wie hat es euch gefallen?

>> The reason death sticks so closely to life isn’t biological necessity – it’s envy. Life is so beautiful that death has fallen in love with it, a jealous, possessive love that grabs at what it can. <<

>> Es ist ja nicht die biologische Notwendigkeit, die den Tod immer die Nähe des Lebens suchen lässt – es ist der Neid. Das Leben ist so schön, dass der Tod sich in es verliebt hat, ein eifersüchtiger, gieriger Liebhaber, der an sich rafft, was er zu fassen bekommt. <<

Ein Tanz auf dem Vulkan – Inhalt

Piscine „Pi“ Molitor Patel – benannt nach einem Schwimmbad in Paris – wächst als Sohn eines Zoodirektors in Pondicherry, Indien auf. Schnell beginnt er sich für Tiere zu interessieren und die Liebe zur Religion zu entdecken. Gegen das Verständnis seines Vaters, der als „Businessmann“, wie er beschrieben wird, keine Zeit für Götter habe, entwickelt er sich zu einem regelmäßigen Tempelbesucher. Als wäre das nicht genug, ist er der Meinung, dass mehrere Götter kein Problem darstellen, da es allein auf die Liebe und das Bewusstsein zur Religion ankommt. Daher schließt er sich den drei großen Weltreligionen an: dem Buddhismus, dem Christentum und dem Islam – obwohl diese grundlegend verschieden sind.

1977 entschließt sich die Familie – zwar mit wenig Geld, aber mit hohen Erwartungen – den Zoo aufzugeben, die Tiere an andere Zoos der Welt zu verkaufen; und nach Kanada zu ziehen. Mit einem großen Containerschiff machen sich die Patels auf die Reise; und nehmen einige Tiere direkt mit, um sie bei Zoos in Amerika und Kanada abzuladen. Darunter ein Tiger, eine Hyäne, ein Zebra und ein Urang-Utan. Doch als das Schiff plötzlich nach ein paar Tagen auf hoher See in einen Sturm gerät, die Wasseroberfläche immer näher kommt und Treppen Stufe für Stufe unter Wasser begraben werden, gibt es nur noch eine Lösung: Die Rettungsboote!

Als Pi, an ein Paddel geklammert, unter der Abdeckplane des Bootes, in dem er gelandet ist, hervorlugt, muss er feststellen, dass er nicht der Einzige ist, der sich vor dem drohenden Tod in Sicherheit gebracht hat… Die vermeintliche Rettung hat sich in einen Tanz auf dem Vulkan verwandelt…

 

Eine lange Überfahrt – Meine Meinung

Ähnlich wie die Dauer von Pi’s Reise – 227 Tage – zieht sich auch das Buch. Dadurch, dass die Geschichte in ihrem Kern nur in dem kleinen weißen Rettungsboot mitten auf dem Ozean stattfindet, benötigt es schon einen sehr starken Schreibstil, um dem ganzen auch Leben einzuhauchen. Ein Schreibstil, den Yann Martel auch hat, aber nur begrenzt einsetzt. Wenn er von Tieren, von ihrem Verhalten, vom Zooleben und von Religion erzählt, schreibt er schnell, lebhaft und macht selbst das Schlafverhalten von Faultieren zu einem extrem interessanten Thema. Leider verwendet er diese Gabe nicht überall und so werden Szenen, die das Buch nur bereichern können und gewaltige Bilder auslösen – wie die Stelle, an der ein Wal über das Boot springt – in einem einzelnen Paragraphen abgehandelt, sodass man sie fast überliest.

Gestört hat mich auch, dass man von Pi’s Gedanken- und Gefühlswelt nicht sehr viel erfährt. Nur wenige Sätze handeln von Gedanken an eventuell andere Überlebende oder generell an seine Familie, die wahrscheinlich komplett mit dem Schiff untergegangen ist. Eine weitere Sache schließt sich direkt daraus: nach dem Sinken des Schiffes macht er keine Anstalten auch nur herauszufinden, ob es noch weitere Überlebende gibt – kein Rufen, kein Suchen. An Stellen wie hier fehlt einfach der Elan, der das Leiden auf dem Boot verständlich gemacht hätte.

Oft habe ich mich gefragt, wieso so viele Leser dieses Buch lieben. Irgendwann wurde es klar: Das Ende! Ein Ende, dass ganz anders, als der Rest des Buches ist. Es war auf den letzten 30 Seiten, dass ich das erste Mal mit Pi mitfühlen konnte, dafür aber so viel, dass ich das Buch erstmal weglegen musste. Auf den letzten Seiten wird auch noch mal in die große Humor-Kiste gegriffen, was dem Buch zum Ende auch noch mal die Schwere nimmt und es fast schon so wirkt, als hätte jemand anderes das Ende geschrieben – es ist einfach komplett anders und wäre das Buch durchgehend so gewesen wäre es wahrscheinlich eines der besten Bücher, die ich bis jetzt gelesen hätte.

Ein Aspekt, der dem Buch aber nur gut getan hat, ist der, dass man bis zum Ende nicht weiss, was wirkliche Erlebnisse Pi’s sind oder ob er sich alles nur ausgedacht hat und, um die Geschichte interessanter zu machen, aus Mitüberlebenden die Tiere in seinem Boot gemacht hat – Es ist schwer Fiktion von Realität zu trennen.

Das Englisch ließ sich gut lesen und war verständlich, auch wenn ich manchmal die Namen einiger Tiere googeln musste, um herauszufinden, dass es sich um eine seltene Vogelart handelt. Es ist kein „anderes“ oder anstrengenderes Englisch, als wenn man einen Film oder eine Serie auf Englisch sieht.

Ich wollte dem Buch bis vor dem Ende nur zwei Sterne geben, für das Ende gibt es aber einen extra Punkt, der zwar auch nicht mehr viel rausholt, aber immerhin ist das Buch so noch „mittelmäßig“.

3,5/5 Sterne

©Marlon

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Infos zu meiner Ausgabe:

  • Taschenbuch (352 Seiten)
  • Canongate Books (2009)
  • ISBN: 978 1 84 767 601
  • 7,99£ (~9€)
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4 Gedanken zu “Yann Martel – Life of Pi / Schiffbruch mit Tiger

  1. Hallo lieber Marlon,

    mir hat Deine Rezension wirklich gut gefallen, sie ist lebendig und gibt einen guten Einblick in das Buch, ohne zu viel zu verraten!
    Würde mich freuen bald weitere Rezensionen von Dir zu lesen.

    Liebe Grüße
    Julia

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Julia! Vielen Dank für deinen netten Kommentar 😊 Dass du die Rezension als lebendig empfunden hast, freut mich besonders, da es bei so langen Texten schnell eintönig werden kann und man beim Schreiben darauf achten muss, dies zu verhindern. LG Marlon👋

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo Marlon,
    eine schöne Rezension!
    Schade, dass dir das Buch nicht besser gefallen hat. Ich habe es vor vielen Jahren gelesen und war damals absolut begeistert. Gerade dass man nie weiß, ob etwas wirklich geschieht oder nur Einbildung ist, hat mir gut gefallen. Und dann natürlich die Sache mit den Religionen. Das fand ich so genial. Darüber sollten die religösen Fanatiker mal nachdenken.
    Ich bin gespannt auf deine nächste Rezension 🙂
    LG Lilli

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Lilli! Danke für deinen Kommentar 😊 Ich fand es zwar toll, dass Pi, wenn er in Not war jedes Mal einen anderen Gott angebetet hat, aber ansonsten kam der spirituelle Aspekt für mich nicht wirklich durch. Wie gesagt, erst das Ende konnte mich mitreißen. Ich denke einfach, dass ich mit zu hohen Erwartungen an das Buch gegangen bin. 😐 Vielen Dank für das nette Feedback! LG Marlon

      Gefällt 1 Person

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