#25.12

Allgemein

Und am Ende war ich einfach glücklich endlich angekommen zu sein…


Die Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt war schön, doch nun wollte ich endlich wieder nach Hause. Ich wollte durch die Haustür gehen, auf die ich, als ich klein war, jedes Jahr ein neues kleines Bild gemalt hatte von etwas, dass ich aus diesem vergangenen Jahr niemals vergessen wollte. Und dann würde ich durch den langen Flur zu meiner Mutter in die Küche gehen, aus der es immer gut roch, und meine Mutter endlich wieder in die Arme schließen. Deshalb stieg ich nun wieder mit dem alten Mann in mein Auto und fuhr in die Richtung unseres Ziels. Auf der Fahrt erzählte mir der alte Mann, was er alles schon erlebt hatte und ich lauschte jedem einzelnen seiner Worte und musste letztendlich feststellen, dass er ein beeindruckendes Leben geführt hatte. Es war eine lockere Atmosphäre gewesen bis zu dem Zeitpunkt als wir endlich an dem Schild meiner Stadt vorbeikamen, da wahrscheinlich wir beide nervös waren. Er war nervös, weil er sich etwas dafür schämte einfach in eine Familie reinzuplatzen, auch wenn ich wusste, dass meine Mutter ihn willkommen heißen würde und ich war nervös, weil ich mich vor der Reaktion meiner Familie fürchtete, wenn sie mich nach meinem plötzlichen Verschwinden wiedersahen. 
Es musste wohl mittlerweile Heiligabend sein, da wir überall an Leuten vorbei kamen, die Hand in Hand über die Straßen in Richtung der Kirchen schlenderten. Natürlich konnte man immer in die Kirche gehen, aber in unserem Stadtteil ging sonst niemand in die Kirche außer bei Hochzeiten und Beerdigungen und auch das nur aus Anstand. Die Menschen hatten wohl einfach ihren Glauben verloren bei all den schrecklichen Sachen, die auf der Welt und um uns rum passierten, und wenn sie ihn nicht verloren hatten, hatten sie nie Zeit (Ich fragte mich, wie sie noch Zeit zum Atmen fanden). 

Ich hörte das Knirschen der kleinen Kieselsteine, die auf unserer Auffahrt verstreut waren. Ich wunderte mich, dass meine Mutter nicht nach fünf Sekunden hastig aus der Tür gestürmt kam, da sie schon den Briefträger jeden Morgen abfing, bevor er auch nur die Chance hatte unsere Auffahrt zu betreten. Aber diesmal kam sie erst einige Minuten später als ich bereits aus dem Auto gestiegen war. Sie hatte, wie sie es immer beim Kochen hatte, ihre zerzausten Haare zu einem lockeren Dutt hochgesteckt und trug die rote Schürze, die ich ihr vor einigen Jahren zum Muttertag geschenkt hatte und sie schaute mich an, aber statt sauer zu sein, lächelte sie mich herzlich an und versuchte dann zu erkennen, wer noch im Auto saß. Ich kam zu ihr und umarmte sie. Im ersten Moment war sie sichtlich überrascht, da es schon lange her gewesen sein muss, dass ich sie innig umarmt hatte, doch dann umarmte sie mich ebenfalls und gab mir einen Kuss auf die Wange. Vor dem Roadtrip hätte ich sie weggestoßen, aber ich hatte mich verändert und deshalb genoss ich es.

Als ich meiner Mutter von dem alten Mann erzählt hatte, ging sie zu der Autotür, öffnete sie und bat ihn ins Haus. Im Haus duftete es nach Zimt und dem jährlichen Weihnachtsessen, dass meine Mutter jedes Jahr so mühevoll vorbereitete bevor meine restliche Familie kam. Währenddessen saß mein Vater in seinem Sessel und starrte auf dem Fernseher. Als er mich sah, schaute er mir kurz in die Augen, wendete sich dann aber wieder ab, da das Fernsehprogramm wohl wesentlich wichtiger als ich war, doch als er dann den alten Mann erblickte, starrte er diesen geschockt an (Ich hatte ihn noch nie so entsetzt gesehen). Auch der alte Mann hinter mir schien überrascht und geschockt zu sein und nach einigen Minuten Schweigen sprang mein Vater auf und stürmte nach oben ins Schlafzimmer meiner Eltern. Ich konnte mir die Reaktion nicht erklären und folgte ihm. Zuerst wollte er nichts sagen, doch dann erzählte er mir die Wahrheit. Mein Vater und ich hatten lange nicht mehr so miteinander geredet und ich war froh, dass wir es nun taten. Er erzählte mir, dass der alte Mann sein Vater war, mit dem er sich sehr früh zerstritten hatten und letztendlich gab er zu, dass wohl keiner mehr genau wusste, warum eigentlich und dass sie sich die letzten Jahre komplett aus den Augen verloren hatten, da keiner den ersten Schritt machen wollte. Ich hatte noch nie so einen Schmerz bei meinem Vater gesehen, aber auch noch nie so viel Liebe. Ich wusste, dass es meine Aufgabe war, die beiden wieder zu vereinen. Das schuldete ich meinem Vater, zu dem ich wohl, bevor ich weggelaufen war, wirklich schlimme Sachen gesagt hatte. 

Es gab ein langes Gespräch und letztendlich vertrugen sie sich tatsächlich wieder und nahmen sich zumindestens vor, dass sie wieder zueinander finden wollten. Danach entschuldigte ich mich bei meinen Eltern, dass ich einfach weggelaufen war, denn mir war zwar klar, dass es noch viele Dinge zwischen uns zu klären gab, doch ich hatte auf meiner kleinen Reise gelernt, dass es nichts Wichtigeres als die Liebe gab, denn sie ist etwas, für das man kämpfen sollte, auch wenn es manchmal schwierig wird. Nun wollte ich einfach Heiligabend mit meiner Familie feiern, mit den Menschen, die ich liebte. 

Nach Weihnachten wollte ich den alten Mann aus der alten Bibliothek aufsuchen, dem ich das immerhin alles zu verdanken hatte. Ich war mir sicher, wo ich die Bibliothek entdeckt hatte, doch als ich zu dem Ort kam, war sie nirgends zu sehen. Stattdessen war dort ein kleiner Laden, der Süßkram und andere Köstlichkeiten verkaufte. Ich beschloss rein zu gehen und mir eine Tafel Schokolade zu kaufen, da ich nun wirklich etwas Süßes vertragen konnte. Ich schaute mich um und als ich mich für eine verzierte Schokoladentafel mit Erdbeergeschmack entschieden hatte, ging ich zur Kasse. Dort erwartete mich bereits eine junge Frau mit roten, langen Haaren, die mich freundlich anlächelte und die Schokolade abkassierte. Als ich wieder raus gehen wollte, rief sie meinen Namen. Ich war verwirrt, woher sie meinen Namen kannte, doch unterdrückte es zu fragen. Sie kam zu mir und drückte mir einen Zettel in die Hand, den jemand für mich hinterlassen hatte. Auf dem Zettel stand ein Text an mich gerichtet von dem alten Mann, der mich einst auf diese wundervolle Reise geschickt hatte: „Lieber Fynn, wenn du den Zettel bekommen hast, hast du genau das getan, was jeder einigermaßen anständige Mensch tun würde, da du dich wahrscheinlich bedanken wolltest. Es tut mir leid, dass du das nun nicht tun kannst, da ich gerne dein dankbares, zufriedenes Lächeln gesehen hätte, aber du musst verstehen, dass ich es zu meiner Aufgabe gemacht habe, die Welt ein klein wenig zufriedener zu machen, indem ich Leuten wie dir wieder den Weg zu sich selbst und der Liebe zeige. Es liegt in deinen Händen, was du mit den Erfahrungen von der Reise tust, doch ich hoffe von ganzem Herzen, dass ich dir helfen konnte, wieder glücklich zu sein. Wenn du es bist, teile dieses Glück und bewahre es und vergesse niemals, was wirklich im Leben zählt.“ 

Das war’s mit unserer kleinen Weihnachtsgeschichte und wir hoffen, dass sie euch gefallen hat. Schreibt uns doch eure Gedanken dazu gerne in die Kommentare!

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